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IVSS verweist an BRICS-Ministertreffen auf „intelligente soziale Sicherheit“

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IVSS verweist an BRICS-Ministertreffen auf „intelligente soziale Sicherheit“

Die COVID-19-Krise wirkt auf den Arbeitsmärkten, in der sozialen Sicherheit und im Arbeitsschutz als Treiberin schneller Veränderungen und Innovationen. Während des jüngsten BRICS-Arbeitsministertreffens betonte die IVSS deshalb die Notwendigkeit, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um eine „intelligente soziale Sicherheit“ zu entwickeln und umzusetzen.

Das sechste Arbeits- und Beschäftigungsministertreffen der BRICS-Länder, das am 9. Oktober 2020 unter dem Vorsitz der Russischen Föderation organisiert wurde, fand von Moskau aus statt, wobei die Vertreter der anderen Länder (Brasilien, China, Indien und Südafrika) sowie der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) und der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) digital am Treffen teilnahmen. IVSS und IAO unterstützen die BRICS-Länder im Bereich der sozialen Sicherheit durch das virtuelle Verbindungsbüro der BRICS-Länder. Diese Zusammenarbeit begann 2018 und hatte unter anderem zur Folge, dass die fünf Länder während der Globalen Woche für Sozialschutz der IAO im November 2019 eine Selbstverpflichtung unterzeichneten.

Am aktuellen Treffen drehten sich die Gespräche der Arbeits- und Beschäftigungsminister vor allem um Ansätze zur Schaffung einer sicheren Arbeitskultur, Maßnahmen zur Verringerung der Armut durch soziale und wirtschaftliche Veränderungen sowie um die Zukunft der Arbeit in einer digitalen Wirtschaft. Im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise hat die IVSS entsprechende Maßnahmen der sozialen Sicherheit in über 200 Ländern zusammengestellt und sowohl internationale Trends als auch Ländermaßnahmen analysiert, so auch in einem frühen Artikel über Maßnahmen der sozialen Sicherheit in China. Sie alle zeigen deutlich, dass einerseits die Regierungen schnell reagiert und ihre Systeme der sozialen Sicherheit ausgebaut und erweitert und andererseits die Institutionen der sozialen Sicherheit Innovationen und digitale Neuerungen vorangetrieben haben, um dem unvermittelten und starken Anstieg des Bedarfs gerecht zu werden. Gleichzeitig galt es, aufgrund von Kontaktbeschränkungen und Homeoffice-Anordnungen neue Formen der Arbeit, des Zusammenarbeitens und des Kundenkontakts zu finden.

Intelligente soziale Sicherheit und institutionelle Kapazitäten

„Wir müssen die Errungenschaften der Digitalwirtschaft in den Dienst unserer Bevölkerung stellen. Darum drängen wir verstärkt auf das Konzept einer intelligenten sozialen Sicherheit, was heißt, dass wir mit dem Fortschritt mithalten und die Errungenschaften des digitalen Zeitalters nutzen müssen“, betonte IVSS-Generalsekretär Marcelo Abi-Ramia Caetano in seiner Eröffnungsrede. In einem Geist der Zusammenarbeit verabschiedeten die Arbeits- und Beschäftigungsminister eine Erklärung, in der sich die BRICS-Staaten auf einen intensiveren Austausch von Wissen darüber einigten, wie Sozialschutz- und Beschäftigungsdienstleistungen am besten digitalisiert werden können. Ziel ist es, fortgeschrittene digitale Technologien besser zu nutzen, um die Effizienz und Wirksamkeit der öffentlichen Arbeitsvermittlungsdienstleistungen, der Arbeitsaufsichtsbehörden und der Sozialschutzinstitutionen zu erhöhen. In diesem Zusammenhang soll überdies gezielt versucht werden, informell Beschäftigte besser zu erreichen.

In der Sitzung, die sich mit der Verringerung der Armut durch soziale und wirtschaftliche Veränderungen befasste, betonte Raúl Ruggia-Frick, Leiter des Wissensbereichs des IVSS-Exzellenzzentrums, die Notwendigkeit einer angemessenen Finanzierung der Entwicklung institutioneller Kapazitäten, damit die strategischen Ziele umgesetzt werden könnten und die Institutionen für Krisen gewappnet seien. Eine der Lehren dieser Krise lautet, dass institutionelle Kapazitäten, mit denen Leistungen an gefährdete Bevölkerungsgruppen angepasst und schnell erbracht werden können, in solchen Krisenzeiten absolut entscheidend sind. Die Institutionen der sozialen Sicherheit weltweit haben alle ihre Ressourcen eingesetzt und maximale Anstrengungen unternommen, um den enorm steigenden Bedarf zu decken und gleichzeitig die eigenen Mitarbeitenden zu fördern und bei der Anpassung an die neue Arbeitsrealität zu unterstützen.

Eine Sicherheitskultur in dieser neuen Arbeitswelt

Damit klang in den Gesprächen der Minister ein weiteres Thema an, nämlich der Aufbau einer sicheren Arbeitskultur. Quasi über Nacht hat sich die Arbeitswelt durch Büroschließungen, Kontaktvermeidungsmaßnahmen, die Anordnung von Homeoffice und weitere Maßnahmen verändert. Dies hatte starke Auswirkungen auf den Betrieb der Institutionen, auf die einzelnen Mitarbeitenden und auf das interne Ressourcen- und Personalmanagement. Vermehrt wurden digitale Hilfsmittel und neue Arbeitsformen eingesetzt, wobei es jedoch oft an guter sozialer Vernetzung und am erforderlichen Wissen und an den Fähigkeiten zum wirksamen Einsatz neuer Online-Instrumente sowie an geeignetem Mobiliar gemäß den ergonomischen Anforderungen fehlte. Die BRICS-Minister beschlossen deshalb, die Entwicklung einer präventiven Arbeitskultur für mehr Sicherheit und Gesundheit voranzutreiben.

IVSS-Präsident Prof. Dr. Joachim Breuer erläuterte in seiner Rede die Grundlagen der Strategie Vision Zero, die auf den 7 Goldenen Regeln für Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden bei der Arbeit beruht. Diese Strategie hat zunehmend an Verbreitung und Relevanz gewonnen, und bislang haben sich ihr mehr als 12 600 Unterstützer angeschlossen. Ein neues Programm zur Akkreditierung für Vision Zero-Schulungsleiter, das gemeinsam von der IVSS und der Anstalt für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit des Vereinigten Königreichs angeboten wird, wurde diese Woche auf dem digital durchgeführten Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vorgestellt. Während des Kongresses wurde deutlich, wie stark die Coronavirus-Krise Innovationen beim Arbeitsschutz beschleunigt hat, so wie sie auch der Digitalisierung in der sozialen Sicherheit einen deutlichen Schub verliehen hat. Der Ansatz Vision Zero stößt vor allem in der Russischen Föderation auf reges Interesse, wo diese Woche eine neue Vereinbarung mit der Region Oblast Uljanowsk unterzeichnet wurde.